72. GV vom 9. April 2011

Menschen mit Hörproblemen zahlen massiv mehrIm Kolpinghaus Altdorf ging die 72. GV des Vereins pro audito uri über die Bühne. Adolf Betschart ersetzt die abtretende Vizepräsidentin Marlies Albert, wiedergewählt wurden Kassierin Claudia Elsener, Marlies Arnold und Helene Wetzel. Georg Simmen wird sich an der DV von pro audito schweiz zur Wahl als Zentralpräsident stellen.

Eg. Eine erfreuliche Anzahl von 41 Vereinsmitgliedern und Gäste besuchte die 72. GV von pro audito uri. pro audito uri ist Mitglied von pro audito schweiz (pas) und bezweckt den Zusammenschluss der Hörbehinderten zur gegenseitigen Leistung allseitiger Hilfe im privaten und öffentlichen Leben. Vereinspräsidentin Irena Zurfluh freute sich, nach den Entschuldigungen der beiden Regierungsräte Josef Dittli und Josef Arnold, mit dem Altdorfer Gemeinderat Urs Kälin doch noch eine Vertretung aus Politik begrüßen zu können. Im Rückblick und Jahresbericht der Präsidentin stand die Durchführung der DV 2010 in Altdorf im Zentrum. Unter der Regie von OKP Georg Simmen hat alles bestens geklappt. Man freut sich, dass sich Vereinsmitglied Georg Simmen an der DV vom 28. Mai in Thun zur Wahl als Zentralpräsident stellen wird und wünscht bereits jetzt viel Glück. Mit attraktivem Jahresprogramm war man im vergangenen Vereinsjahr überall aktiv. „Die Beteiligung in der Aktivgruppe und an kulturellen Anlässen könnte aber durchaus noch grösser sein“, meinte Irena Zurfluh. Auch im vergangenen Jahr musste von Vereinskameradinnen und – Kameraden für immer Abschied genommen werden, speziell erwähnt wurde der Tod von der Ehrenpräsidentin Käthy Jauch, Seedorf. Mit vier Neueintritten, unter ihnen Regierungsrat Josef Dittli konnten die Abgänge einigermaßen kompensiert werden, der Verein zählt aktuell 257 Mitgliederinnen und Mitglieder. Der neuen Audioagogin Heidi Locher Gisler gratulierte man zum Diplom und wünscht viel Freude, Erfolg und Geduld mit Hörbehinderten Menschen. In Sachen Öffentlichkeitsarbeit forderte die Präsidentin die Versammelten auf „zu mehr Hören in öffentlichen Gebäuden“ aktiv beizutragen, speziell bei Neu- und Umbauprojekten soll die Ringanlage für Hörbehinderte nicht vergessen werden. pro audito uri braucht: „- Menschen die uns verstehen, uns ernst nehmen, uns nicht diskriminieren, Menschen, die den Verein unterstützen, beitreten und neue Ideen einbringen.

Die neue Hörgeräteversorgung ist für Hörbehinderte frustrierend …
Während Kassierin Claudia Elsener Mehreinnahmen von rund 700 Franken und eine grundsätzlich gesunde Finanzlage präsentieren konnte, kommen für Hörgerätebenutzer in finanzieller Hinsicht harte Zeiten. Es ist unglaublich, was sich das Bundesamt für Sozialversicherungen BSV und die IV auf dem Buckel von Menschen mit Hörproblemen mit der 6. IV-Revision beabsichtigen. Mit der auf 1. Juli 2011 vorgesehenen neuen Verordnung zu Hörsystemen führt das BSV die Gleichstellung und Integration Hörbehinderter ad Absurdum. Mit dem vorgesehenen Pauschalbetrag von 840 Franken pro Hörgerät oder 1650 Franken für eine binaurale Versorgung (beidseitig), kann sich ein weniger gut situierter Mensch mit Hörproblemen auf jeden Fall keine qualitativ gute Hörversorgung mehr leisten. Wenn man weiß, dass hochqualifizierte Hörgeräte welche vor allem hochgradig Hörbehinderte brauchen 6 – 8‘000 Franken (binaurale Versorgung) kosteten, ist die Rechnung betreff Selbstbehalt schnell gemacht. Zur Hörbeeinträchtigung kommt dann noch die soziale Ausgrenzung, so wird die Behindertengleichstellung mit Füssen getreten und das ausgerechnet vom BSV. Weitere Nachfolgen der massiv verkleinerte Leistungen an Hörbehinderte sind: Arbeitslosigkeit, Verarmung, Vereinsamung und psychische Probleme. Die Arbeitslosenkassen, die Sozialämter und die Krankenkassen werden vermehrt belastet und somit bezahlt jeder Bürger indirekt an die geplante Einsparung der IV. Ein möglichst gutes Hören wird in Zukunft als Luxus angesehen. Während Ruedi Grossmann von HG-Hörakustik AG, ein Mitglied von pro audito uri meint „das Reagieren wurde von Zentralverband pas mit Sicherheit verpasst“, erhofft sich Irena Zurfluh vom neuen Präsidium ein rasches und doch noch erfolgreiches Reagieren mittels Petition oder Demonstration. Die Zeit wird allerdings sehr knapp, um das Unheil abzuwenden, oder mindestens zu entschärfen. So oder so, alle Hörbehinderten müssen ein weiteres Mal für ihre Anliegen kämpfen.

Wahlen/Ehrungen
Nach 9 Jahren Vorstandstätigkeit musste die Demission von Vizepräsidentin Marlis Albert akzeptiert werden. Mit Blumen und kleinem Geschenk würdigte man ihre Aktivitäten. Alle zur Wiederwahl stehenden Vorstandsmitglieder konnten für eine weitere Amtsdauer von 2 Jahren verpflichtet werden, es sind dies Adolf Betschart (neu Vizepräsident und Aktuar), Kassierin Claudia Elsener, die beiden Beisitzerinnen Marlies Arnold und Helene Wetzel und auch der erste Revisor Erwin Aschwanden. Nicht im Wahlturnus standen Präsidentin Irena Zurfluh, Dr.med Caroline Griesemer, Walter Zgraggen und die zweite Revisorin Sibylle Zgraggen. Ohne Wortmeldungen wurde das attraktive Jahresprogramm mit Maiandacht, zwei Verständigungstrainingskurse, Brätlä, Vereinsausflug, Jassnachmittag, Adventsfeier und Fasnacht genehmigt. Frau Caroline Griesemer gab bekannt, dass ihre Ohrenarztpraxis fließend an Toni von Büren übergehen wird. Gemeinderat Urs Kälin bedankte sich für die Einladung und versicherte, die Anliegen der Hörbehinderten mit offenen Ohren entgegen zu nehmen. Mit einem kleinen Geschenk bedankte sich die Präsidentin bei ihren Vorstandsteam und allen Briefträgerinnen und Briefträger für die Verteilung der Vereinspost. Eine kleines Geschenk ging auch an die beiden Revisoren Erwin Aschwanden und Sibylle Zgraggen und am Schluss bedankte sie sich bei allen Sponsoren und Gönnern für die aktive Unterstützung. Die immense Arbeit der Präsidentin wurde von Marlis Albert mit einem Präsent verdankt. Mit dem vielsagenden Sprichwort „nur nit lugg la gwinnt“, ging eine zügig verlaufene GV zu Ende, ein schmackhafter Imbiss leitete über zum lockeren Teil der Zusammenkunft.

Redaktor Georg Epp