80. GV von pro audito uri

pro audito uri leistet Freiwilligenarbeit für Hörbehinderte

An der 80. GV von pro audito uri vom 06. April ist Fabienne Jauch neu in den Vorstand gewählt worden. Präsidentin Irena Zurfluh rät Menschen, die nicht mehr gut hören, möglichst früh in die Beratung zu kommen.

In Japan gilt der Kranich als Symbol des Glücks, der Gesundheit und des Friedens. Diese kulturelle Vorstellung hat bei der diesjährigen Generalversammlung von pro audito uri eine Rolle gespielt, denn ein Kranich zierte die liebevoll gestaltete Tischdekoration im vollen Saal des Altdorfer Kolping-Hauses. 51 Teilnehmende und fünf Gäste sind an diesem Samstag anwesend. Aber es geht um weit mehr als eine schöne Erscheinung. Ein Verein, der sich 80 Jahre lang erfolgreich für die Anliegen von Menschen mit Einschränkungen des Hörvermögens einsetzt, muss tatsächlich von einem besonderen Geist getragen sein. Einen wertvollen Beitrag zum Gelingen der Vereinsprojekte leisteten auch im Jahr 2018 all die freiwilligen und ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer. Weit über 2000 Stunden haben sie in Vereinsarbeit und den Hör- und Erlebnisweg investiert. Präsidentin Irena Zurfluh-Müller betonte bei ihrem Dank, diese Unterstützung sei «unbezahlbar».

pro audito uri hilft – und ist ein Vorbild

pro audito uri möchte im Hinblick auf seine Dienstleistungen immer auf dem neuesten Stand sein. So konnte Pia Kempf die erste Hürde bei der Ausbildung zur Audioagogin meistern. Die Prüfung zum Lippenlesen habe sie bravourös bestanden und sie sei ab sofort einsatzbereit.

Der Beratungsstützpunkt von pro audito uri sei immer mehr gefragt, denn mittlerweile ist das Arbeitspensum auf 334 Stunden angestiegen. «Leider warten die Menschen oft viel zu lange, um ihr Hörvermögen sorgfältig abklären zu lassen», so die Präsidentin. Dadurch wird es schwieriger, eine zufriedenstellende Anpassung zu finden. » Deshalb: Wer den Mut aufbringt, sich frühzeitig den drängendsten Fragen rund ums Gehör zu stellen und sich Wissen zum Ablauf der Abklärungen und den Hörhilfen aneignet, wird es später leichter haben. Irena Zurfluh-Müller weiss aber auch: «Wir haben gegenüber anderen Behinderten den grossen Nachteil, dass unsere Hörbehinderung von anderen Menschen nicht gesehen werden kann und deshalb werden wir in der Öffentlichkeit noch zu wenig wahrgenommen und bekommen auch weniger finanzielle Mittel».

Eine Erfolgsgeschichte ist der Hörgeräte-Service in Alters- und Pflegeheimen durch Margrit Scheiber und Irena Zurfluh-Müller. Die beiden Frauen reinigen ein Mal monatlich die Hörgeräte und bringen sie nötigenfalls zum Akustiker. Begonnen haben sie ihren Hörgeräteservice 2007 im Altersheim Rosenberg in Altdorf. Seither haben laufend weitere Einrichtungen diese Dienstleistung in Anspruch genommen, so die APH Spannort, Urnersee, Seerose, Gosmergarten und Pflegewohngruppe Höfli.

Am Hör- und Erlebnisweg zeigt die Bevölkerung nach wie vor reges Interesse. Allein im Jahr 2018 wurden 15 Führungen angeboten. Doch er zieht bis weit über die Kantonsgrenzen hinaus seine Aufmerksamkeit auf sich. So soll der Hör- und Erlebnisweg in einem geplanten Schweizer Kinderwanderbuch aufgenommen werden. Im Magazin „Spektrum Hören“ Deutschland wurde auf zwei Seiten über den Hör- und Erlebnisweg berichtet. Der Deutsche Schwerhörigen Bund und eine österreichische Studentenvereinigung haben sich nach den baulichen und amtlichen Auflagen erkundigt, da sie in ihren Ländern ebenfalls so ein Projekt realisieren möchten, das mit dem Hör- und Erlebnisweg vergleichbar ist.

Höranlagen in öffentlichen Räumen sind seit 2004 gesetzlich vorgeschrieben. Das gilt bei Neubauten, und ältere Räume müssen nachgerüstet werden. Diese Anlagen erleichtern hörbehinderten Menschen welche Hörgeräte mit T-Spule und Cochlea Implantate tragen, das bessere Verstehen. pro audito uri hilft bei der Planung in Bezug auf Einbau von induktiven Höranlagen (Ringleitungen) kostenlos mit und prüft abschliessend die Funktionalität. Interessierte können unter www.pro-audito-uri.ch nachschauen, wo und in welchen Gebäuden diese Leitungen eingebaut sind. Die FM-Anlagen-Verantwortlichen Walter Zgraggen (Uri) und Josef Burgener (NW/OW) hatten 2018 mit Messungen, Abnahmen, Beratungen, Planungen und Gesuchen viel zu tun.

Die Präsidentin machte die Mitglieder auch auf den 8. November aufmerksam: Dann können Hörbehinderte neue Hilfsmittel im Kolpinghaus in Altdorf testen.

Wahlen, eine Verabschiedung und viel Lob

Wie lebendig der Verein pro audito uri ist, verdeutlicht sich an seinen Mitgliedern. 2018 gab es sechs Austritte und 12 Eintritte. An der 80. Generalversammlung wurden ausserdem auf zwei Jahre wiedergewählt: Toni von Büren als Vizepräsident, Claudia Elsener als Kassierin und Heidy Locher Gisler als Kursleiterin. Neu in den Vorstand gewählt wurde für zwei Jahre die Pflegeassistentin und Mutter von drei Knaben Fabienne Jauch-Herger aus Altdorf. «Da die Arbeit im Vorstand, insbesondere in administrativen Bereichen immer mehr zunimmt bin ich froh, dass sich Fabienne bereit erklärt hat, bei uns mit zumachen», sagte Irena Zurfluh-Müller. Fabrizio Merenda ist für zwei Jahre als Rechnungsrevisor gewählt. Josef Burgener wurde verabschiedet. Er tritt aus gesundheitlichen Gründen aus dem Vorstand aus und wird auch nicht mehr als Messtechniker tätig sein.

Die Kasse weist bei einem Aufwand von 60 820 Franken ein leichtes Defizit von 1786 Franken auf. Ein Minus ergab die Abrechnung des «Hör-und Erlebniswegs» von 455 Franken. Die Spendengelder deckten die Material- und Montageausgaben nicht.

Ausserdem wurden die Statuten des Vereins revidiert. So sind etwa die Aufgaben der Generalversammlung in der überarbeiteten Version präziser definiert.

Zum Schluss der Veranstaltung sprach Regierungsrätin Barbara Bär den Vereinsmitgliedern ihren Dank aus. «Sie können stolz auf sich sein. Freiwilligenarbeit ist ein wichtiges Fundament unserer Gesellschaft». Marlies Rieder, Altdorfer Gemeindevizepräsidentin, überbrachte Grüsse des Gemeinderates Altdorf und lobte den «lebendigen Verein»: «Es ist eine Leistung, wenn ein Verein 80 Jahre alt wird.»