GIGA-MEGA-Power in Amsteg

Besichtigung des SBB Kraftwerkes
Freitag, 21. August 2015

Der Einladung folgten rund 30 interessierte Männer und Frauen. Selbst das Alppersonal der Muotathaler Alp Chruteren fand den Weg nach Amsteg. Kari Epp mit „Assistent“ Robi Gisler führten die aufmerksame Schar durch die Anlagen. Sowohl der historische Teil des Werkes, wie auch die moderne Anlage in der Felskaverne hinterliessen bleibende Eindrücke.

Die historische Anlage wurde von 1918 bis 1922 als damals grösstes Wasserkraftwerk der Schweiz gebaut. Zusammen mit dem Ritòmwerk im Tessin wollte man die elektrische Energie für die Gotthardbahn sicherstellen. Man nutzte die Geländestufe Pfaffensprung – Amsteg im Wesentlichen als Laufwerk ohne grosses Speicherbecken. Somit entfielen rund zwei Drittel der Produktion auf die Sommermonate Juni bis September. Mit viel Sachkenntnis, aber auch mit Humor präsentierte Kari Epp die sechs alten Maschinengruppen und erklärte deren Funktionieren. Übrigens, die ganze Schloss ähnliche Anlage, die das Dorfbild von Amsteg sehr stark prägt, steht samt Einrichtungen unter Heimatschutz und darf somit nicht verändert werden. Im Kommandoraum konnte man mit etlichem Erstaunen konstatieren, wie in früherer Zeit solche Anlagen gesteuert und überwacht wurden. Dazu brauchte es nicht nur vorsintflutliche Schalter, Tableaus, Rechenmaschinen, Telefone etc., sondern auch viel mehr Personal als heute.

Der Kommandoraum des zwischen 1993 und 1998 erstellten Neubaus in einer Felskaverne ist nur noch voll von Computerbildschirmen. Die ganze Steuerung und Überwachung erfolgt ferngesteuert aus Zollikofen BE. Seit Beginn der Stromproduktion 1922 wird ausschliesslich Bahnstrom produziert (Einphasen-Wechselstrom 16,7 Hertz / 15‘000 Volt-Spannung). Heutige jährliche durchschnittliche Produktion: 460 Gigawattstunden; vor dem Neubau 306 GWh. Der Neubau erfolgte im Hinblick auf den Bau des Gotthard-Basistunnel sowie des Projekts „Bahn 2000“ und dem damit erhöhten Bedarf an Spitzenenergie. Allein die Verwirklichung der Bahn 2000 erforderte zusätzliche Leistungsspitzen bis 200 Megawatt. Das Wasser wird in Amsteg nach Göschenen und Wassen (Pfaffensprung) zum dritten Mal turbiniert. Die drei mit Frauennamen versehenen Synchrongeneratoren weisen eine Gesamtleistung von 120 Megawatt auf (alte Anlage „nur“ 56 Megawatt) und erzeugen nebst der elektrischen Energie auch eine höllische Wärme, im Gegensatz dazu war es im Wasserteil der Anlage angenehm kühl, doch auch hier wurden die Ohren der Besucher arg strapaziert.

Nach diesem sehr aufschlussreichen und kurzweiligen Rundgang wurde bei Kaffee und Kuchen noch rege weiter diskutiert, „plagiert“ und referiert über Wasserkraft, Männerkraft, Frauenpower und sonst noch „aller Guggers“.

Vielen Dank an alle, die zum Gelingen dieses Anlasses beigetragen haben! Den Kaffee- und Kuchenspendern, den Dekorateuren, dem Service- und Abwaschpersonal….

Adolf Betschart
Aktuar