Mit einem Hörweg sich Gehör verschaffen

Mit einem Hörweg sich Gehör verschaffen Sponsoringpro audito uri macht sich zum Abschluss seines 75-Jahr-Jubiläums selber ein Geschenk. Nach einer Idee von Irena Zurfluh entsteht im Raum Altdorf ein Hör- und Erlebnisweg – der erste in der Schweiz.
Doris Marty

«Ich bin immer auf der Suche nach neuen Ideen», sagt Irena Zurfluh, Präsidentin von pro audito uri, und hält sich einen Metalltrichter ans Ohr. «Es ist erstaunlich, dass die Umgebungsgeräusche ganz anders wahrgenommen werden durch das Hören von unterschiedlich grossen Trichtern aus verschiedenen Materialien. Dass Irena Zurfluh überhaupt Töne wahrnehmen kann, verdankt sie ihrem Hightech-CI-Implantat, denn sie ist seit Geburt hörbehindert, mittlerweile spätertaubt. Unermüdlich ist denn auch ihr Engagement für die Hörbehinderten und den Verein pro audito uri. So erstaunt es nicht, dass der geplante Hörweg aus ihrer Ideenküche stammt. «Einen Hörbaum und Klangweg gibt es bereits. Mit einem Hörweg sich Gehör verschaffen SponsoringDa habe ich mir gedacht, wieso eigentlich keinen Hörweg?»
Eine Geschichte erzählen
«Für mich war klar, dass dieses Projekt, das bis anhin nur in meinem Kopf existierte, unter pro audito laufen muss», sagt Irena Zurfluh. «Das 75-Jahr-Jubiläum von pro audito uri in diesem Jahr bietet sich als der ideale Anlass dafür und ist das Krönlein im zu Ende gehenden Jubiläumsjahr.» Das Grobkonzept sieht vor, auf einem bestehenden Wanderweg im Raum Altdorf verschiedene Posten einzurichten. «Der Wald bildet die ideale Kulisse dazu. Mit einfachen Mitteln sollen Umgebungstöne von Laub, Wasserläufen, Wind oder Tierstimmen erleb- und hörbar gemacht werden.» Nebst den Erlebnisposten, bei denen sich alles ums Hören dreht, wird gleichzeitig mit einer beschilderten Bildgeschichte der Weg zum «besseren Hören» dokumentiert. «Das macht den Hörweg besonders attraktiv für Familien mit Kindern», schwärmt Irena Zurfluh. Der rund 2 Kilometer lange Weg wird beschildert und mit den öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar sein.
«Das Ziel des Hör- und Erlebnisweges ist die Sensibilisierung zum Thema ‹Hörbehinderungen›», sagt Toni von Büren, Facharzt für Ohren-, Nasen und Halskrankheiten und Vorstandsmitglied von pro audito uri. «Der Hörweg aktiviert die Sinne und soll gleichzeitig auf die Wichtigkeit des Hörens aufmerksam machen.»

Auf offene Ohren gestossen
Irena Zurfluh, als treibende Kraft des Hörwegs, ist bereits bei der Gemeinde Altdorf und dem Verein Urner Wanderwege vorstellig geworden. «Mit meiner Idee bin ich bei beiden Körperschaften auf offene Ohren gestossen.» Beat Zgraggen vom Verein Urner Wanderwege ist begeistert: «Das neue Angebot ist eine Aufwertung des bestehenden Wanderweges. Der Verein unterstützt dieses Vorhaben aktiv sowohl in der Projektphase als auch bei der Ausführung und Einrichtung der verschiedenen Posten.» Das freut Irena Zurfluh ganz besonders: «Unser Verein hat keine Lobby. Die meisten Mitglieder sind Angehörige von Hörbehinderten oder selber hörbehindert.» Gestärkt durch das positive Echo wird nun das Konzept vorangetrieben. Bis Ende Jahr soll dieses fertig erstellt und der finanzielle Aufwand beziffert sein. «Das Sponsoring ist bereits aufgegleist, wir hoffen auf breite Unterstützung.» Danach durchläuft das Projekt ein vereinfachtes Bewilligungsverfahren. Irena Zurfluh ist zuversichtlich, dass der neue Hör- und Erlebnisweg im Frühling oder Frühsommer 2015 eröffnet werden kann – es wäre der erste Hör- und Erlebnisweg in der Schweiz.